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| Der Schock sass tief und die Verunsicherung war gross,
als uns der zuständige Kinderarzt im Spital telefonisch mitteilte, dass mit Fabio etwas
nicht stimme und wir zur genauen Abklärung, Fabio fünf Tage nach seiner Geburt einem
Chromosomen-Test unterziehen sollten. Eben hatten wir mit den Geburtsanzeigen Freunde und
Verwandte über das freudige Ereignis informiert und jetzt brach eine bis anhin heile Welt
zusammen und es stimmte uns traurig, dass Fabio einmal nicht die gleichen Möglichkeiten
haben wird wie wir uns das gewünscht hätten. Fabio gehörte zu uns und wir waren
traurig, dass das Schicksal ihn und uns ausgesucht hatte, auch war uns unklar, welche
Auswirkungen die Behinderung für Fabio und auch für uns haben wird. Wird er je eine
gewisse Selbständigkeit erreichen und was wird sein, wenn wir einmal nicht mehr für sein
Wohl und Recht einstehen können? Fragen, die wir uns bei der Geburt seiner Geschwister
nicht gestellt haben.
Die Verarbeitung innerhalb der Familie erfolgte unterschiedlich. Während sich Andrea anfangs eher zurückzog und sich in die Thematik einlas und Kontakte, welche u.a. durch den Frauenarzt vermittelt wurden, nutzte, war ich beruflich mit Arbeit und dem Schreiben einer Prüfungsarbeit eingedeckt. Während der Arbeit nutzte ich Pausen um Kollegen über die neue Situation aufzuklären. Ich war auch froh, wenn ich direkt angesprochen und über unsere Sorgen berichten konnte. Das damit meine Trauerarbeit noch nicht bewältigt war, stellte ich erst ein halbes Jahr später fest. Wir konnten uns die Familie ohne Fabio nicht mehr vorstellen und er ist wie jedes unserer Kinder eine echte Bereicherung für die Familie, trotzdem habe mich öfters gefragt, warum gerade unser Kind? Warum wir? Was habe ich in der Vergangenheit falsch gemacht? Die Zweifel und Unsicherheiten wurden mit der Zeit durch die innere Überzeugung abgelöst. Nein! Wir haben nichts falsch gemacht. Das Schicksal hätte ebensogut jemanden anderen treffen können, jetzt hat es uns getroffen. Fabio hat ein Entwicklungspotential und er kann sich am Leben freuen und uns Wärme und Freude geben. Die Zeit lief
weiter und die Behinderung von Fabio äusserte sich haupt- Fabio wird
demnächst neun Jahre alt und ist ein fröhlicher Lausbub geworden. Er hat eine ältere
und eine jüngere Schwester, die sehr viel Liebe und Fürsorge für ihren Bruder
empfinden. Nach Besuch des Regelkinder- Rückblickend
möchte ich keine Sekunde mit Fabio missen, auch wenn uns öfters die Gesundheit von Fabio
oder auch Quasi-Stillstände in seiner Entwicklung Sorgen bereiteten, denke ich, sind wir
heute als Familie weiter, als wir dies wahrscheinlich wären, wenn sich kein besonderes
Schicksal auf Fabio gelegt hätte. Auch hat die Zeit mit Fabio zu einer gewissen Neuorien- |
Bericht erschienen im 'aktuell 21', Ausgabe 2/2000 der EDSA Schweiz zum Thema 'Väter' |
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